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Geliefert wie bestellt: Der erste Bärentote & verunsicherte Urlauber | FREIGEIST

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Geliefert wie bestellt: Der erste Bärentote & verunsicherte Urlauber | FREIGEIST

von Andreas Leiter Reber, freiheitlicher Landtagsabgeordneter

Beunruhigte Touristen und mögliche Absagewellen rufen stets auch die Kommunikations-Strategen der IDM auf den Plan.

Ihre aktuelle Erklärung, warum in Südtirol jede Gefahr eines Bärenangriffs völlig ausgeschlossen werden kann, beleidigt die Intelligenz unserer Gäste und der Einheimischen gleichermaßen:

„Die zuständigen Forstbehörden haben kürzlich ihre Kontrollen intensiviert, damit jegliche Gefahr für den Menschen vermieden werden kann“.

Aha. Abgesehen davon, dass mir bekannte Mitarbeiter der Forstbehörde bis heute gar nichts von ihrem Glück wissen, ärgern sich die redlichen Forstbeamten vor allem, dass mit solch banalen Äußerungen die Verantwortung für Bärenangriffe oder weitere Todesfälle billig auf ihre Schultern abgewälzt und den Gästen eine falsche Sicherheit vorgegaukelt wird.

Der HGV verspricht hier etwas, was derzeit weder die Südtiroler Forstbehörde noch sonst jemand garantieren kann.

Selbst wenn jedem Bären oder jedem Touristen ein Forstbeamter als Begleitschutz zur Seite gestellt werden würde – rechtlich ist es ihm heute sogar im Notfall verboten seine Dienstwaffe zu nutzen und den Bären zu erlegen.

Falls der HGV es doch ernst meinen sollte und seinen Gästen wirklich garantieren möchte, dass sie bei uns vor Angriffen durch Großraubwild sicher sind, muss der HGV auch auf allen notwendigen Ebenen offen, ehrlich und laut dafür eintreten, dass das Großraubwild in Südtirol wieder entnommen wird.

Denn wer die Wildnis sucht und gerne einen Abenteuerurlaub macht, wo Begegnungen mit Wolf und Bär zu den Highlights zählen, tourt mit einem Ranger durch den Yellowstone National-Park oder fährt in die Karpaten, aber nicht nach Meran, Gröden oder auf die Seiser Alm.

Der klassische Südtirol-Urlauber ist ein völlig anderer Typ:

Er will sich bei uns erholen, will Südtirol zwischen Palmen, Promenaden und 3.000-ern erwandern, Küche & Kultur genießen oder mit Familie die Drei Zinnen umrunden – meinetwegen auch in Sandalen. Und das alles, ohne dabei mit Glöckchen und Trillerpfeife bewaffnet Braunbären und Wölfe auf Abstand halten zu müssen.
Die Ansiedlung und Ausbreitung von Wolf und Bär in einem dicht erschlossenem Gebiet zuzulassen war ein Fehler – und wir tun den Wildtieren selbst nichts Gutes, denn es fehlt ihnen bei uns ein zusammenhängender, unberührter Lebensraum wo sie ihrem natürlichem Instinkt folgen und sich ihre Scheu vor der Zivilisation bewahren können.

Leider ist das Thema emotional derart stark aufgeladen, dass sowohl bei manchen Gegnern als auch Befürwortern jede Verhältnismäßigkeit verloren gegangen zu sein scheint.

Nicht allen scheint bewusst zu sein, dass wir in Südtirol heute ohne die gezielte jagdliche Regulierung einzelner Wildarten weder gesunde und ausgewogene Wildbestände noch geeignete Waldflächen als Lebensraum für hunderte andere Tierarten hätten.

Bär & Wolf sind genauso einzigartige Tiere wie alle anderen, deren Erhalt im Sinne des Artenschutzes gesichert werden muss, doch es sind längst nicht alle Landstriche in Europa für eine Wiederbesiedlung geeignet. Südtirol gehört nun mal zu jenen Gebieten, wo die Konflikte mit dem Großraubwild unvermeidbar sind und die Probleme ganz klar überwiegen.

Völlig anders sieht es beim Bartgeier, dem Steinwild oder bei Luchs und Biber aus. Auch sie waren verschwunden und konnten durch Wiederansiedlung oder selbst zurückfinden und bereichern heute nahezu konfliktfrei unsere Kulturlandschaft.

Solche Erfolgsgeschichten müssen wir fördern und endlich aufhören so zu tun, als wäre die Natur in Südtirol sich völlig selbst überlassen und ein geeigneter Lebensraum für sämtliche Wildtiere, die irgendwann unter völlig anderen Voraussetzungen hier gelebt haben.

Das Wisent, der europäische Büffel, ist in unseren Breiten bereits im Hochmittelalter verschwunden. Er ist ein reiner Pflanzenfresser und trotzdem würde seine Wiederansiedlung wie bei Wolf und Bär sehr viel mehr Schaden als Nutzen bringen und zum Scheitern verurteilt sein.

Viele von uns haben bereits den natürlichen Umgang mit Haustieren verlernt und wohl die meisten hatten überhaupt nie die Gelegenheit den Umgang mit Wildtieren kennenzulernen. Mir ist deshalb bewusst, dass sehr viele Bürger auch abseits aller romantischen Vorstellungen die Notwendigkeit der Entnahme des Großraubwilds nicht erkennen können.

Da viele Bürger zugleich immer auch viele Wähler sind, erklärt sich das Herumlavieren der Politik in Bozen, Rom oder Brüssel.

Seriöse Politiker dürfen sich nicht ständig den Applaus aller erwarten, sondern müssen Verantwortung übernehmen und dazu die notwendigen Entscheidungen treffen, auch wenn sie unpopulär sind.

Vor 5 Jahren wurde von LH Kompatscher mit großem Trara kurz vor den Landtagswahlen ein eigenes landesgesetz zur Entnahme von Wolf und Bär verabschiedet, passiert ist seitdem nichts.

Auch diesmal werden Kompatscher und die SVP eine Nebelkerze zünden und dafür sorgen, dass noch vor den Wahlen im Oktober ein Wölfl dran glauben muss oder zumindest eingefangen wird, um die Stammwählerschaft bei Laune zu halten, aber von einer echten Lösung sind wir noch weit entfernt.

Eine verantwortungsvolle Landesregierung hätte mit ganzer politischer Kraft für eine gesorgt und würde sich nach schwedischem und finnischem Vorbild auf allen Ebenen für eine wolfs- bzw. bärenfreie Region einsetzen.

Andreas Leiter Reber, Freigeist, Großraubwild, Landwirtschaft, Tourismus, Vereine und Verbände
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