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Verbandelte Bauernfunktionäre | FREIGEIST

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Verbandelte Bauernfunktionäre | FREIGEIST

von L. Abg. Andreas Leiter Reber, freiheitlicher Parteiobmann

Ich bin 1 mal zahlendes Mitglied bei den Freiheitlichen, aber gleich 3 mal zwangsbeglücktes Mitglied bei der Volkspartei!

Mit dem Unterschied, dass mich die Mitgliedschaft bei Bauernbund, Beratungsring und Co nicht 15 – sondern ein paar hundert Euro Euro kostet!

Ob Gewerkschaften oder Wirtschaftsverbände – gut organisierte Berufsverbände sind für ihre Mitglieder und einen attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort wichtig.

Auch wenn es immer schwerer wird, so können wir in Südtirol froh sein, wenn wir auf Orts- und Bezirksebene noch genügend engagierte Menschen finden, die sich meist ehrenamtlich für unsere Verbände und Vereine einsetzen.

Dass Berufsverbände dabei die Anliegen ihrer Mitglieder auch beim Landtag, der Landesregierung und bei politischen Parteien deponieren ist nicht nur völlig legitim, sondern ausdrücklich erwünscht.

Denn umgekehrt ist es wichtig, dass die Gesetzgeber Rücksprache mit Berufsvertretern, Sachverständigen und Organisationen halten. Dass sich die Verbandsvertreter mit Exponenten und Mandataren der Regierungsparteien häufiger austauschen als mit Oppositionsparteien ist verständlich.

Problematisch für jedes demokratische Mehrparteiensystem wird es, wenn diese Rollen nicht getrennt werden.

Obleute und Funktionäre von Berufsverbänden, Genossenschaften oder Beratungsorganisationen dürfen sich nicht mit einer politischen Partei gemein machen oder aktive Parteipolitik betreiben.

Sie sind nun mal keine Privatunternehmer oder Arbeitnehmer, die sich als Einzelperson bei welcher Partei auch immer engagieren, denn Verbandsfunktionäre stehen nicht für sich alleine, sondern immer auch für die gesamte Organisation und all ihre Mitglieder.

Man sollte meinen, dass bei unseren oft taffen und talentierten Verbandsfunktionären bereits der persönliche und berufliche Anstandskodex sowie das eigene Demokratieverständnis reichen sollten, um zwischen berechtigtem politischem Einsatz und offenem parteipolitischem Engagement unterscheiden zu können.

Aber nein, sie scheinen allesamt unter akuter Edelweiß-Blindheit zu leiden.

Ich verwette meinen Bauernbundmitgliedsbeitrag, dass bei der Goaßausstellung in Passeier, der Flurbegehung in Eppan oder beim Bauernjugendball im Ahrntal die klare Trennung von Verbandsarbeit und Parteipolitik urplötzlich der Aufreger und das Gesprächsthema Nummer eins wäre, wenn unser Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend im Landwirtschaftsausschuss von Fratelli d`Italia mitarbeiten würde, der Bauernbunddirektor als Landwirtschaftssprecher in der Landesleitung beim Enzian-Sepp aktiv wäre und der Obmann vom Beratungsring – gemäß grüner Geschäftsordnung – automatisch bei Brigitte Foppa im Parteigremium säße.

Solange nicht alle 21.000 Mitglieder des Bauernbundes, die 9.000 der Bauernjugend oder die 6.000 des Beratungsrings ausnahmslos auch Mitglieder oder offenkundige Fans und Wähler der Volkspartei sind, kann die parteipolitische Arbeit ihrer Verbandsfunktionäre für die SVP in keinster Weise gerechtfertigt werden.

Solange sich Verbandsvertreter in den Parteiausschüssen und Gremien der Volkspartei engagieren, die Verbände ihre öffentlichen Beiträge aber nicht aus der SVP-Kassa bekommen, sondern von allen Steuerzahlern und solange Bauernbund und Beratungsdienst ihre jährlichen Mitgliedsbeiträge nicht ausschließlich von den SVP-Mitgliedern einkassieren, sondern auch bei mir und allen anderen Bauern die sich kein Edelweiß auf den Schurz sticken lassen wollen, missbrauchen sie die Überparteilichkeit ihrer Organisationen.

Ich bin überzeugt, dass viele Südtiroler längst weiter sind und genug haben von der ungesunden Verbandelung der Verbände mit der Volkpartei.

Wenn der Bauernstand seinen Rückhalt in der Bevölkerung nicht noch weiter verlieren will, muss er endlich im Jahr 2023 ankommen und sich parteipolitisch emanzipieren.

Man kann nicht glaubwürdig auf innovative und zeitgemäße Lösungen für Südtirols Landwirtschaft setzen, öffentliche Unterstützung und Gelder einfordern, aber parteipolitisch in den 80ern stehenbleiben.

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